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DTB 2026: 1,52 Millionen Mitglieder, 8 640 Vereine und ein Rekordtrend

Sportvorhersagen

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Der Deutsche Tennis Bund ist mit 1,52 Millionen Mitgliedern der drittgrößte Sportverband Deutschlands — nach dem DFB und dem Deutschen Turner-Bund — und zum ersten Mal seit 2012 hat er die Marke von anderthalb Millionen wieder überschritten. Tennis boomt, die Zahlen belegen es. Doch hinter der Schlagzeile steckt mehr als ein statistischer Ausreißer: Es ist ein Trend, der sich über fünf aufeinanderfolgende Jahre aufgebaut hat und strukturelle Gründe besitzt.

Wer verstehen will, warum Tennis in Deutschland wächst, muss den DTB als Organisation begreifen — seine Vereinsstruktur, seine regionale Verteilung, seine Investitionen in den Nachwuchs. Dieser Text liefert die Zahlen und ordnet sie ein. Denn Wachstum allein sagt wenig; es kommt darauf an, wo es stattfindet, wer dazukommt und ob die Infrastruktur mithält. Die Tennis-Bundesliga, die LK-Turniere, die Talentino-Programme — all das sind Zahnräder eines Systems, das nur funktioniert, wenn die Basis stimmt.

DTB-Präsident Dietloff von Arnim brachte es auf den Punkt: Nach vier Jahren nachhaltigem Wachstum handele es sich um einen langfristigen Trend, der auch in den kommenden Jahren Bestand haben werde. Ob er recht behält, hängt von den Faktoren ab, die in den folgenden Abschnitten analysiert werden.

Fünf Jahre Wachstum: Die Mitgliederzahlen im Detail

Die nackten Zahlen: Der DTB zählte laut seiner Bestandserhebung Ende 2025 exakt 1 523 657 Mitglieder — ein Plus von 1,72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In absoluten Zahlen sind das rund 25 700 neue Mitglieder in einem einzigen Jahr. Über den Zeitraum von 2021 bis 2025 summiert sich der Zuwachs auf 120 585 Personen, was einem Gesamtwachstum von 8,8 Prozent entspricht.

Diese Dynamik ist bemerkenswert, wenn man den historischen Kontext kennt. Nach dem Boom der Becker-Graf-Ära in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern verlor der DTB über zwei Jahrzehnte kontinuierlich Mitglieder. Den Tiefpunkt markierte das Jahr 2016 mit knapp unter 1,4 Millionen. Der Wendepunkt kam mit der COVID-Pandemie — paradoxerweise, denn Tennis als Outdoor-Einzelsport war einer der ersten Sportarten, die wieder erlaubt wurden. Der anfängliche Corona-Schub hat sich längst verstetigt.

Besonders aufschlussreich ist die Altersstruktur des Wachstums. In der Gruppe der 7- bis 14-Jährigen kamen 6 982 Kinder hinzu, ein klares Zeichen dafür, dass Tennis bei jungen Familien an Attraktivität gewinnt. Der größte absolute Zuwachs lag bei den 27- bis 40-Jährigen mit 10 011 neuen Mitgliedern — eine Altersgruppe, die typischerweise über stabile Einkommen und familiäre Bindung an Vereine verfügt. Diese Doppelbewegung — Kinder und junge Erwachsene gleichzeitig — ist das solideste Fundament, das ein Verband sich wünschen kann.

Auch die Geschlechterverteilung verdient Aufmerksamkeit: Im Jahr 2025 traten 14 298 Frauen dem DTB bei, gegenüber 11 403 Männern. Das weibliche Mitgliederwachstum übertrifft das männliche damit deutlich — ein Zeichen dafür, dass Tennis in Deutschland zunehmend als Sport für alle wahrgenommen wird und nicht mehr als Männerdomäne. Für die Vereine hat das praktische Konsequenzen: Damenmannschaften werden aufgestockt, Kursangebote angepasst, Umkleidebereiche erweitert.

8 640 Vereine, 44 454 Plätze: Die Struktur des deutschen Tennis

Der DTB organisiert sich über 18 Landesverbände, die wiederum 8 640 Vereine bündeln. Diese Vereinsdichte ist im europäischen Vergleich außergewöhnlich — selbst Frankreich, das einzige europäische Land mit ähnlich hohen Teilnehmerzahlen, erreicht nicht die gleiche Infrastrukturbreite.

Die 44 454 Tennisplätze verteilen sich auf Freiluft- und Hallenanlagen. Der Rekord lag im Jahr 2000 bei 50 835 Plätzen; seitdem ist die Zahl geschrumpft, weil einige Vereine mit rückläufigen Mitgliedszahlen Anlagen abbauen mussten. Mit dem aktuellen Aufschwung stellt sich die Frage, ob die vorhandene Kapazität ausreicht — insbesondere in Ballungsräumen, wo Hallenzeiten in den Wintermonaten bereits knapp sind. Mehrere Landesverbände haben Förderprogramme für Hallenneubauten und Sanierungen aufgelegt, um Engpässe zu entschärfen.

Laut tennis.de investieren zahlreiche Vereine in Sanierungen und Neubauten, unterstützt durch kommunale Zuschüsse. Neben klassischen Sandplätzen gewinnen Hartplätze und textile Allwetterbeläge an Verbreitung — sie sind pflegeleichter, schneller bespielbar nach Regen und senken langfristig die Betriebskosten. Der Engpass liegt allerdings weniger bei den Plätzen als beim Personal: Ausgebildete Trainer mit DTB-Lizenz sind gefragt wie selten, und die Wartelisten für Anfängerkurse wachsen mancherorts schneller als das Angebot.

Regionale Verteilung: Wo wächst Tennis am stärksten?

Tennis in Deutschland hat traditionell ein Süd-Nord-Gefälle. Bayern und Baden-Württemberg stellen die mitgliederstärksten Landesverbände, was mit der höheren Vereinsdichte, dem wärmeren Klima und einer historisch stärkeren Vereinskultur zusammenhängt. Doch das Bild verschiebt sich.

Peter Mayer, Vorstandsmitglied des DTB, betonte, dass der Verband in allen Teilen Deutschlands wachse — besonders erfreulich sei die Stärke im Jugendsegment. Die Clubstrukturen fänden Antworten auf die Bedürfnisse der nächsten Generationen, ob im Süden oder Norden, in der Stadt oder auf dem Land.

Tatsächlich zeigen die Daten, dass auch norddeutsche Landesverbände wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein überdurchschnittliche Zuwächse melden. Ein Treiber ist die steigende Nachfrage nach Hallentennis — Vereine, die in Hallenplätze investiert haben, können ganzjährig anbieten und binden Mitglieder auch über den Winter. Im urbanen Raum kommen gewerbliche Tenniszentren hinzu, die mit flexiblen Buchungsmodellen eine jüngere Zielgruppe ansprechen, die sich nicht sofort an einen Verein binden möchte.

Interessant ist auch die Stadt-Land-Dynamik. Während großstädtische Vereine von der Bevölkerungsdichte profitieren und Wartelisten für Anfängerkurse führen, punkten ländliche Clubs mit günstigeren Beiträgen und kürzeren Wegen zum Platz. In beiden Fällen bleibt die Herausforderung dieselbe: genügend qualifiziertes Trainerpersonal bereitzustellen, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Nachwuchsförderung: Talentino, Jugend-Ranglisten und der Weg nach oben

Der DTB investiert systematisch in die nächste Generation — und das nicht erst seit dem aktuellen Boom. Das Talentino-Programm, das auf methodischem Kleinfeldtennis für Kinder zwischen vier und zehn Jahren basiert, läuft in über 2 000 zertifizierten Vereinen. Es nutzt kleinere Plätze, weichere Bälle und kürzere Schläger, um Kindern einen altersgerechten Zugang zum Sport zu ermöglichen. Das Konzept folgt der von Tennis Europe und der ITF entwickelten Play+Stay-Methodik und hat sich als effektiver Einstieg bewährt.

Für talentierte Jugendliche schließt sich ein gestuftes Fördersystem an: regionale Stützpunkte, Landesverbandskader und schließlich der DTB-Bundeskader. Die Jugend-Ranglisten (U12, U14, U16, U18) dienen dabei als Orientierungsinstrument — sie zeigen, wo ein Spieler steht, und bestimmen die Turnier-Setzlisten. Die Zahl der Teilnehmer an LK- und Ranglistenturnieren ist seit 2019 von 48 599 auf 56 918 gestiegen, ein Indiz für das wachsende Wettkampfinteresse im Nachwuchsbereich.

Der Weg vom Talentino-Platz bis zur ATP Tour ist lang, aber die Infrastruktur existiert. Die DTB-Leistungszentren in Oberhaching und Stuttgart bilden das Rückgrat der Eliteförderung. Parallel investiert der Verband in die Trainerausbildung — von der C-Lizenz für Vereinstrainer bis zur A-Lizenz für Leistungssport-Coaches. Ohne qualifizierte Trainer bleibt jedes Nachwuchskonzept Papier. Dass Alexander Zverev, Jan-Lennard Struff und eine Reihe vielversprechender Junioren aus diesem System hervorgegangen sind, zeigt: Die Pipeline funktioniert — sie braucht nur konstante Pflege.

Tennis boomt — die Zahlen belegen es. Ob dieser Rekordtrend das deutsche Tennis nachhaltig verändert, wird sich nicht allein an der nächsten Bestandserhebung ablesen lassen, sondern daran, wie gut es gelingt, die 120 585 neuen Mitglieder der letzten fünf Jahre langfristig zu binden und junge Talente auf ihrem Weg nach oben zu begleiten. Die Grundlage ist gelegt. Jetzt geht es darum, sie zu nutzen.