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Deutsche Tennisspieler 2026: Struff, Hanfmann, Seidel und die nächste Generation

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Deutsche Tennisspieler — wer an diesen Begriff denkt, landet fast automatisch bei Alexander Zverev. Das ist verständlich: Deutschlands Nummer eins gehört zur absoluten Weltspitze, sein Name dominiert die Schlagzeilen. Doch das deutsche Herrentennis 2026 besteht aus mehr als einem einzelnen Spieler. Hinter Zverev arbeitet eine Gruppe von Profis, die auf der ATP Tour kämpft, und unter ihnen wächst ein Nachwuchs heran, der das Potenzial hat, die nächste Ära zu prägen.

Mehr als nur Zverev — das ist keine Relativierung seiner Leistung, sondern eine Einladung, den Blick zu weiten. Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann, Henri Squire, Max Hans Rehberg und weitere Namen verdienen Aufmerksamkeit, weil sie zeigen, wie breit die Basis des deutschen Tennis aufgestellt ist. Allein an Ranglistenturnieren nehmen inzwischen knapp 57 000 Spieler teil — deutlich mehr als die rund 48 600 im Jahr 2019. Der Wettkampfgedanke lebt auf allen Ebenen.

Die folgenden Abschnitte porträtieren die etablierten Profis, stellen die vielversprechendsten Talente vor und zeichnen den Weg nach, den der DTB vom regionalen Stützpunkt bis zur internationalen Tour bereitet.

Deutsches Herrentennis jenseits der Nummer eins

Die deutsche Präsenz auf der ATP Tour ist im internationalen Vergleich solide, auch wenn sie hinter den großen Tennisnationen Spanien, Frankreich und den USA zurückbleibt. Im Frühjahr 2026 sind rund zehn deutsche Spieler in den Top 250 der Weltrangliste gelistet — genug, um bei den meisten ATP-Turnieren mindestens einen Landsmann im Hauptfeld oder in der Qualifikation zu sehen.

Was diese Gruppe verbindet, ist weniger ein gemeinsamer Spielstil als eine gemeinsame Herkunft aus dem DTB-Fördersystem. Die meisten von ihnen haben die regionalen Stützpunkte durchlaufen, bei Jugend-Ranglistenturnieren erste Erfahrungen gesammelt und den Sprung über die Challenger Tour in den ATP-Zirkus geschafft. Der Weg ist lang, die Ausfallquote hoch — aber diejenigen, die es schaffen, bringen eine solide technische Grundausbildung mit, die im Breitensport ihren Ursprung hat.

Dabei unterscheiden sich die Karriereverläufe erheblich. Manche Spieler schaffen den Durchbruch Anfang zwanzig, andere finden erst jenseits der 25 ihre beste Form. Das deutsche Herrentennis ist kein Fließband für Wunderkinder — es ist ein System, das Beharrlichkeit belohnt. Finanziell bedeutet das: Nicht jeder deutsche Profi lebt komfortabel von seinem Sport. Zwar haben 2025 laut ATP Tour rekordverdächtige 88 Spieler weltweit mehr als eine Million Dollar auf dem Platz verdient — aber die Mehrheit der Profis außerhalb der Top 100 wirtschaftet am Limit. Und genau das macht die Geschichten hinter den Ranglisten interessant.

Jan-Lennard Struff und Yannick Hanfmann: Zwei Karrieren, zwei Wege

Jan-Lennard Struff, Jahrgang 1990, ist seit über einem Jahrzehnt fester Bestandteil der ATP Tour. Der Warsteiner verfügt über einen der besten Aufschläge im deutschen Tennis — regelmäßig über 220 km/h — und eine kraftvolle Vorhand, die auf schnellen Belägen schwer zu neutralisieren ist. Sein bestes Ranking: Platz 21, erreicht im Juni 2023, nachdem er sich über Jahre konsequent in den Top 50 bis Top 80 gehalten hatte.

Struffs Karriere illustriert ein Muster, das im deutschen Tennis häufig vorkommt: stetige Verbesserung ohne den einen spektakulären Durchbruch. Er hat Matches gegen die absolute Weltspitze gewonnen — darunter Siege gegen Medvedev, Tsitsipas und Rublev —, aber bei Grand Slams nie das Viertelfinale erreicht. Seine Stärke liegt im Mannschaftstennis: Im Davis Cup ist Struff seit Jahren einer der verlässlichsten deutschen Spieler, und im Doppel hat er mehrfach ATP-Titel geholt.

Yannick Hanfmann, geboren 1991, nahm einen anderen Weg. Vor seiner Profikarriere studierte er an der University of Southern California und schloss mit einem Abschluss in Communications ab — ungewöhnlich für einen europäischen Tennisprofi. Der späte Einstieg in den Profizirkus bedeutete, dass Hanfmann seine besten Jahre auf der Tour erst Mitte bis Ende zwanzig erlebte. Sein Spiel basiert auf taktischer Klugheit, einem soliden Grundlinienspiel und der Fähigkeit, auf Sand überdurchschnittlich zu performen.

Hanfmanns beste Weltranglistenposition lag bei Platz 45 — ein Ergebnis, das er durch konsistente Auftritte auf der Challenger Tour und bei ATP-250-Turnieren erarbeitete. Im deutschen Davis-Cup-Team bildet er zusammen mit Struff ein erfahrenes Rückgrat, das den jüngeren Spielern Stabilität gibt. Beide verkörpern eine Generation, die vielleicht nicht die Schlagzeilen beherrscht, aber den Unterbau des deutschen Tennis auf Weltniveau hält.

Die nächste Generation: Wer kommt nach?

Die spannendste Frage im deutschen Herrentennis lautet nicht, ob Zverev endlich einen Grand Slam gewinnt — sondern wer nach ihm kommt. Und hier gibt es Grund zum vorsichtigen Optimismus.

Henri Squire, Jahrgang 2003, gehört zu den vielversprechendsten deutschen Talenten. Der gebürtige Essener arbeitet sich seit 2024 konsequent durch die Challenger Tour nach oben und hat mit athletischem Spiel und einer aggressiven Rückhand auf sich aufmerksam gemacht. Sein Sprung in die Top 200 der Weltrangliste markierte einen Meilenstein, der zeigt, dass er das Potenzial für eine dauerhafte ATP-Karriere mitbringt.

Max Hans Rehberg, Jahrgang 2004, steht noch am Anfang seines Weges, hat aber bei deutschen Ranglistenturnieren und ersten ITF-Auftritten Ergebnisse geliefert, die den DTB aufmerksam gemacht haben. Sein Spiel ist noch in der Entwicklung — die Physis muss zulegen, die Konstanz wachsen —, aber die technische Grundlage ist solide. Daneben gibt es weitere Namen in den DTB-Kadern, die international noch wenig bekannt sind: Spieler aus den U16- und U18-Ranglisten, die in den kommenden Jahren den Sprung in den Profibereich versuchen werden.

Was diese Generation von ihren Vorgängern unterscheidet, ist der Kontext: Sie wachsen in einem Umfeld auf, in dem der DTB 1,52 Millionen Mitglieder zählt, die Vereinsinfrastruktur wächst und mit Zverev ein lebender Beweis existiert, dass der Weg von einem deutschen Stützpunkt an die Weltspitze möglich ist. Mehr als nur Zverev — das ist nicht nur eine Beschreibung des Ist-Zustands, sondern ein Versprechen für die Zukunft.

Vom Stützpunkt zur Tour: Der DTB-Förderweg

Das deutsche Tennisfördersystem ist hierarchisch aufgebaut und folgt einer klaren Logik: Breite an der Basis, Spezialisierung an der Spitze. Am Anfang stehen die rund 8 640 Vereine und ihre Jugendabteilungen, in denen Kinder ab vier Jahren mit dem Talentino-Programm beginnen. Wer Talent zeigt, wird über regionale Sichtungsturniere in die Stützpunkte der Landesverbände aufgenommen.

Die 18 Landesverbände betreiben eigene Leistungsstützpunkte, in denen talentierte Jugendliche mehrmals wöchentlich professionelles Training erhalten — oft parallel zur Schule. Von dort führt der Weg in den DTB-Bundeskader, der seine Zentren in Oberhaching bei München und in Stuttgart unterhält. Hier trainieren die besten deutschen Nachwuchsspieler unter hauptamtlichen Bundestrainern, mit Zugang zu Physiotherapie, Sportpsychologie und internationaler Turnierplanung.

Der Übergang vom Junior zum Profi bleibt die kritischste Phase. Viele vielversprechende Jugendspieler schaffen den Sprung nicht, weil die finanziellen und logistischen Anforderungen einer Profikarriere — Reisekosten, Trainergehalt, Turniergebühren — die Möglichkeiten übersteigen. Der DTB unterstützt hier mit Reisekostenzuschüssen und Turnierwildcards, kann aber nicht jeden einzelnen Übergang absichern. Auf tennis.de finden sich aktuelle Informationen zu Förderprogrammen und Kadernominierungen.

Was am Ende zählt, ist das Zusammenspiel aller Ebenen: Die Vereinsbasis liefert die Talente, die Landesverbände filtern und fördern, der DTB-Bundeskader bereitet auf die Profitour vor. Deutsches Herrentennis 2026 ist mehr als eine Handvoll Namen auf einer Rangliste — es ist ein System, das von der Kreisliga bis zur ATP funktionieren muss, damit aus dem nächsten Henri Squire vielleicht eines Tages der nächste Zverev wird.